S P I E L M A N N S K U N S T
Historische Musik und Instrumentenbau
menu

 

     
   
   
   
   
   
   
   
   
   
 
Hirtenflöten-baun wir z.B. aus Holunder. Besser klingen sie aus Obsthölzern gefertigt,macht aber auch viel Arbeit. Solche Hirtenflöten spielt man heute noch in gesamt Osteuropa und wer die irische Tinwhistle spielt, braucht sich praktisch nicht umstellen. Nachteil-sie sind nicht stimmbar, wie die Blockflöten.Vorteil-im Freien hat man bei Wind kaum Probleme dass einem der Anblaston weggepustet wird, da der Kernspalt hinten, also dem Spieler zugewandt ist. Toll haben sich die alten Hirten das ausgedacht!
 
Blockflöten-verwenden wir von Garkleinflötlein bis Tenor und spielen meist auf denen von Kobliczek, aus Ahorn gefertigt. Die gehören nicht gerade zu den erschwinglichsten auf der Welt, sind aber sehr authentisch und klingen wunderbar. Grössere Flöten als Tenor verwenden wir nicht,weil sie erst in der Renaissance aufkamen, was wir wenig spielen. Auch hört man sie draussen nicht gut,sie sind sehr empfindlich und noch bisschen teurer als die Kleineren natürlich.
 
Rohrklarinetten: Die Primitivsten stellen wir aus Schilfhalmen her .Dabei wird im Schilfhalm seitlich ein Einschnitt gemacht und wenn er schön glatt geführt wird und sich keine Späne bilden, gibts einen Ton.In den gleichen Halm brennen wir dann die Grifflöcher. Instrumente dieser Art spielt man heute noch auf Sardinien, sie heissen Launeddas werden von einem Spieler paarig gespielt. Dazu muss man die Zirkularatmung beherrschen. Die anspruchsvolleren Rohrklarinetten machen wir zB aus Holunder, das Schilfblatt ist nur reingesteckt und kann ausgewechselt werden. um den Klang zu verstärken, versehen wir manche Instrumente noch mit Kuhhorn als Schalltrichter, wie es auch im Frühmittelalter üblich war.
 
Dudelsäcke: Diese gibts in Osteuropa mit meist Rohrklarinettenspielpfeifen und in Westeuropa mit meist Doppelrohrblattpfeifen, also Schalmeien. Wir verwenden beide Arten gerne. Dudelsackmusik muss nicht immer ohrenbetäubend sein und die weicher klingenden osteuropäischen Dudelsäcke eignen sich hervorragend zum Spiel mit Flöten, Saiteninstrumenten und Gesang. Selbst bauten wir bisher die leisen Hümmelchen und eine frühmittelalterliche Variante mit Kuhhörnen an den Pfeifen. Die Spielpfeife ist dem dänischen Fund der Falsterpibe nachempfunden. Die spanischen Dudelsäcke (Gaitas)bauten Anton Varela und Miguel Mosquera Medin. Einen haben wir von Roman Streisand. Etliche Säcke haben wir aus Einzelteilen verschiedener Herkunft zusammengesetzt. Wir haben einen ungarischen Dudelsack von Jozsef Kozak und mehrere bulgarische Dudelsäcke, leider wissen wir nicht die Namen der Erbauer. Wenn man heutige Mittelalterbands sieht, denkt man oft, dass es damals fast nur Dudelsäcke gab. Sicher hat so ein ( gut gestimmter) Dudelsack seine Faszination, aber alle anderen historischen Instrumente haben auch ihre Berechtigung und gerade die Abwechslung machts. Auch wird es im Mittelalter kaum Dudelsack spielende Spielleutearmeen gegeben haben. Bilder von Breughel aus der Renaissance mit 2 gleichzeitig spielenden Dudlern waren wohl er die grosse Ausnahme, schon wegen der Strimmproblematik.
   
   
   
   
 
Knochenflöten -sind die ältesten Blasinstrumente. Sie wurden schon seit der Steinzeit bis ins Mittelalter verwendet. Kürzlich fand man eine Schwanenknochenflöte in Schwaben, die ca 35000 Jahre alt sein soll. Man kann fast von allen grösseren Wirbeltieren die Laufknochen verwenden,so die Grössen-und Längenverhältnisse stimmen. Wir verwenden zum Flötenbau meist Hirsch-Reh und Elchknochen. Bei Ausgrabungen werden oft nur Fragmente gefunden, so dass man nicht immer über den Tonumfang sicher sein kann. Wikingerzeitliche Knochenflöten haben häufig nur 3-4 Grifflöcher. Unsere Flöten haben meist 6 Grifflöcher-Hirtenflötengriffweise (bzw. Tinwhistle) oder 8 wie bei der Blockflöte.
   
   
   
   
   
   
   
   
   
 
Schalmeien: Haben wir in fast allen Tonarten und Tonlagen. Sie funktionieren mit Doppelrohrblatt und sind damit Vorläufer der heutigen Oboe. Im Orient spielte man diese Instrumente nachweislich schon vor ca. 1200 Jahren, wahrscheinlich sind sie aber noch viel älter. Während der Kreuzzüge sind sie dann nach Europa gekommen und sind seitdem aus dem europäischen Klangbild nicht mehr wegzudenken. Im 17. Jh wurden sie dann langsam von der etwas feiner klingenden Oboe abgelöst. Unsere Schalmeien sind zum grossen Teil von Klaus Stecker ( in f , g und D) )und von John Hanchet in tieferen Tonlagen ( C,F, G).
   
   
   
   
   
   
 
Hörner und Zinken: Aus Kuhhorn, meist vom ungarischen Steppenrind (schön lang) bauten wir Signalhörner in verschiedenen Tonlagen, die klanglich gut zusammenpassen. Diese wurden im Frühmittelalter oft noch mit Grifflöchern versehen, um noch etwas mehr als nur die Naturtöne spielen zu können. In der Renaissance spielte man Zinken aus Holz. Das sind langgestreckte konische Instrumente mit Kesselmundstück und Grifflöchern. Man bläst sie also wie Trompete und greift sie wie Flöte. Die frühe Vorform war aus Tierhorn und soetwas haben wir aus Antilopenhorn gebaut.

Anfrage bitte an Michel Bach (fidel.michel@gmx.de) und Stephan Thiele (stephan@spielmannskunst.de)